Johannes Schwarz
Johannes Schwarz

 

 

 

 

Ensemble Modern

z.Hd. Johannes Schwarz

Schwedlerstr. 2-4

60314 Frankfurt

Germany

Ensemble Modern:

Einblick in das Education-Schulprojekt 2011,  Altana-Stiftung/ Ensemble Modern

In Kooperation mit dem Ensemble Modern hat die Altana-Stiftung 2010/2011 mit 150 Schülern aus der  7. Klasse der Bettinaschule  in Frankfurt ein künstlerisch genreübergreifendes Schulprojekt unter dem Thema "Natur - Notizen" initiiert. 

Literatur, Musik, Tanz und der Bereich Malerei/Gestaltung waren die vier Säulen dieses Projektes. Aus diesen vier Bereichen wurden hauptberufliche Künstlerinnen und Künstler aus Frankfurt  engagiert, um konkret mit den Schülern künstlerische Arbeitsformen umzusetzen, die mit diesem intensiven Arbeitsaufwand im schulischen Ablauf normalerweise kaum Raum und Zeit finden können.

Das gesamte Projekt teilte sich in zwei Phasen auf:

In der ersten Jahreshälfte nahm jeder Schüler an vier Projektwochen mit jeweils einer der künstlerischen Hauptsäulen als Thema teil; die Arbeiten wurden im Anschluß in vier einzelnen Genre-Konzerten teilweise unter Mitwirkung der Künstler dargestellt.

Nach diesen "Schnupperwochen" konnte sich in Phase zwei jeder Schüler für die zweite Jahreshälfte ein Genre aussuchen. Es kamen  vier Gruppen mit jeweils vier künstlerischen Richtungen zustande, die jede einen bestimmten griechischen Mythos (zB. Narziss,...) als Arbeitsvorlage hatten. Organisatorisch fand die Schule eine aussergewöhnliche Regelung, bei der sie die gesamte 7. Stufe ein Halbjahr lang jeweils einen Tag in der Woche nur für dieses Projekt freistellten konnte. Dadurch wurde die Grundlage für eine intensive künstlerische Aufbauarbeit ermöglicht, wie sie sonst nicht an Schulen stattfinden kann.

Nach mehreren Monaten war der krönende Abschluss eine Vorstellung, die über die vier Mythen einen Bogen spannte und alle Gruppen zu Wort kommen liess.

 

Hier ein Einblick in die Projektwoche Musik im Altana-Schulprojekt 2010/11, Phase 1:

In der Projektwoche arbeitete ich mit einer Gruppe von ca 30 Schülern im Alter zwischen 11 und 13 zusammen.

Ich hatte als grobe Richtlinie in diesen fünf Tagen vor, den Schülern genügend Material und Diskussionsstoff an die Hand zu geben, durch das sie ein Gefühl dafür bekommen können, wie sich im weiterführenden Projekt die Kunstrichtung "Musik" mit anderen Genres selbständig verbinden lässt. 

Das Thema "Natur - Notizen" schien mir dafür eine flexible Grundlage zu sein. Ich teilte diese Woche in zwei Bereiche ein:

- Mein erstes Ziel war, "Natur" in Assoziation mit Geräuschen zu setzen, aber in diesem Kontext auch teilweise sehr fremdartige Klänge von anderen Kulturen kennen zu lernen. Die Scheu vor andersartigen Klängen galt es abzubauen, um nicht auf konventionelle Instrumente angewiesen zu sein.

Es stellte sich in dieser Anfangsphase ebenfalls heraus, das die Schüler eine enorme Angst davor hatten, kein Instrument spielen zu können, oder gar "falsche" Töne zu spielen.

In den ersten 2 Tagen spielte ich den Schülern sehr viel extrem unterschiedliche Musik vor (Gesänge aus dem Himalaya, akustische Geräusche aus dem Meer von krachenden Eisbergen, chinesische Tanzmusik, elektronische Komposiionen von Xenakis und Stockhausen...), und entwickelte mit ihnen ein Vokabular, um sich darüber austauschen zu können. Parallel dazu übte ich mit einzelnen Gruppen, Geräuschkulissen zu erstellen um damit in der Raumakustik umgehen zu können.

- Der nächste Projekt-Schritt lehnte sich an den Begriff "Notizen" an:

Notizen sind nach meiner Sichtweise notgedrungen unvollständige Einblicke in einen großen und komplizierten Komplex; sie sind nicht dazu geeignet eine Gesamtheit darzustellen.

Üblicherweise nehmen "Notizen" meist einen visuellen Charakter an , der also auf einer anderen Ebene künstlerisch funktionabel ist als Musik.

An dieser Stelle bot es sich an, erst einmal Darstellungsformen zur schriftlichen Fixierung von akustischen Ereignissen zu thematisieren.

Hierzu nahm ich vier unterschiedliche Landschaftsphotographien, projezierte sie auf 2x3 m große Papierflächen, und stellte jeweils eine Gruppe von 7 Kindern davor.

Jedes Kind bekam einen Stift in einer anderen Farbe und hatte in der Betrachtungsphase 60 Sekunden Zeit, sich ein Detail herauszusuchen, was es dann in weiteren 60 Sekunden mit dem Stift auf der Papierfläche mit dem projezierten Photo nachzeichnen, umreissen, schraffieren, d.h. fixieren/"notieren" konnte.

Der erste künstlerische Schritt war hiermit getan: viele Notizen einzelner Personen ergaben ein Bild, das dem ursprünglichen Photo nur noch abstrakt ähnelte.

Diese vier großen Papierflächen verkleinerte ich mit Digitalabzug auf A4, sodaß jede Gruppe jetzt ihr verkleinertes Bild als "Partitur" vor sich liegen hatte.

Jetzt galt es in den letzten 2-3 Tagen die Skizzen mit akustischen Ereignissen zu füllen, sich auf die wichtigeren Skizzierungen auf einem Blatt zu einigen, Instrumentarium auszusuchen, bestimmte Bildelemente auf einzelne Spieler zuzuordnen..... Die Gruppen mussten jetzt schlicht und einfach musikalisch proben. Dabei half ihnen das Vokabular, das wir mit den vielen Musikbeispielen zu Anfang etabliert hatten.

Das Konzert funktionierte sehr gut: Wir legten eine Reihenfolge der Gruppen fest, und die Schüler waren sich erstaunlich sicher, wer zu welchem Zeitpunkt welches Instrument wie zu spielen hatte und nahmen die Partituren ernst. Es kamen vier sehr unterschiedliche Klangruppen zustande, die in einer kleinen Zeitspanne von ca 2-4 Minuten jeweils sehr unterschiedliche Musik in einer Gruppe gestalten und mit einem Spannungsbogen präsentieren konnten.

 

 

 

Hier ein Original-Bild, das die Schüler als Anregung und Vorlage zu Verfügung hatten.

Aus der Original-Vorlage entwickelte sich nach dem beschriebenen Szenario eine ca 2x3m große abstrahierte, schraffierte Zeichnung.

Durch ein erneutes Bearbeiten der schraffierten Zeichnung wurden Gegensätze noch stärker manifestiert. Die Wellenbewegung, die unterschiedliche Strichführung lässt in der entstandenen Skizzenform erahnen, das man daraus eine musikalische Landschaft - "Partitur"- entwickeln kann. Die Zeichnung muß nun in regulären Proben mit Instrumentarium aufgefüllt und umgesetzt werden. Diesen Prozess müssen die Schüler in kleinen Gruppen demokratisch lösen und mit professioneller Unterstützung und Anleitung zum klingen bringen.